Was ist eigentlich Medienkompetenz?

Heutzutage haben wir relativ einfach die Möglichkeit Medien zu nutzen – gemeint sind damit meist die digitalen Medien und das Internet mit den zahlreichen Möglichkeiten, Informationen und Wissen zu erlangen, sich aktiv zu beteiligen und zu äußern. Der Begriff Medienkompetenz wird dabei häufig genutzt, und dies oft in einem problematischen Zusammenhang bzw. wenn irgendwo ein Mangel oder ein Problem mit digitalen Medien besteht: Cyber-Mobbing, Online-Sucht, Nacktbilder, Videospiele, Fake News… Aber was ist eigentlich Medienkompetenz? Der Begriff ist nicht eindeutig, und dies sorgt dafür, dass er manchmal auch unzutreffend benutzt wird.

Medienkompetenz nach Dieter Baacke

Einer der ersten, die den Begriff der Medienkompetenz geprägt haben, ist der Erziehungswissenschaftler und Medienpädagoge Dieter Baacke (1934 – 1999). Er hat die Medienkompetenz in vier Dimensionen geteilt:

  • Medienkritik: Das Wissen über Medien sollte ständig reflektiert und erweitert werden. Dies dient dazu, die Medienwelt kritisch und differenziert zu beachten, gleichzeitig aber auch das eigene Handeln. Dazu gehört auch die Überprüfung auf eine soziale Verantwortlichkeit.
  • Medienkunde: Damit ist das sachliche Wissen über Medien und die Medienwelt gemeint.
  • Mediennutzung: Hiermit ist gemeint, dass Medien aktiv, kompetent und bewusst genutzt werden.
  • Mediengestaltung: Medien ändern sich, technisch und inhaltlich. Sie können innovativ und kreativ genutzt und weiterentwickelt werden.
Medienkompetenz nach Ulrike Wagner und Bernd Schorb

Eine in meinen Augen weitere interessante Definition stammt von Ulrike Wagner und Bernd Schorb: „Das Medienhandeln ist eng mit der Entwicklung entsprechender Fähigkeiten und Fertigkeiten verknüpft, die im Begriff der Medienkompetenz gebündelt werden. Medienkompetenz wird dabei verstanden als integrierter Bestandteil von kommunikativer Kompetenz und von Handlungskompetenz. Sie bildet eine wesentliche Voraussetzung für eine souveräne Lebensführung, die zunehmend davon geprägt ist, mit und über Medien das eigene Leben zu gestalten. Dieses Verständnis von Medienkompetenz weist explizit Begriffsvarianten zurück, die Medienkompetenz auf instrumentelle Fertigkeiten reduzieren. Es hebt die Notwendigkeit und das Vermögen hervor, die medialen Symbolsysteme zu entschlüsseln sowie verständig einzuordnen und die Medien selbstbestimmt zu handhaben (Orientierungsfähigkeit), um am sozialen, kulturellen und politischen Leben partizipieren und es aktiv mitgestalten zu können (Handlungsdimension). Die Basis dafür bieten erstens Wissen um Strukturen und Funktionen sowie instrumentelle Fertigkeiten (Wissensdimension) und zweitens die Fähigkeiten zur Analyse und Beurteilung der Strukturen und Angebote sowie des eigenen Handelns nach ästhetischen und ethisch-sozialen Kriterien (Bewertungsdimension). Insbesondere instrumentelle Fähigkeiten können im Mediengebrauch entwickelt werden. Für die Ausbildung der Fähigkeiten, sich zu orientieren, teilzuhaben und mitzugestalten, ist aber in der Regel die Unterstützung aus dem sozialen, familiären sowie pädagogischen Umfeld notwendig.”

Kurz gefasst (und etwas einfacher)

Medien begleiten uns ständig und überall und sind Bestandteil des Lebens und damit unserer persönlichen Entwicklung. Wir lernen, spielen, kommunizieren, probieren uns aus und bilden uns Meinungen. Darum ist es notwendig, dass wir medienkompetent sind. Das bedeutet, dass wir einerseits die Funktionsweise kennenlernen, vielmehr aber noch erfahren müssen, wie wir uns orientieren und wie wir mediale Möglichkeiten nutzen und Inhalte bewerten können. Es reicht also nicht zu wissen, wie man ein schönes Foto macht oder wie die Nachrichten-App funktioniert. Es ist genauso wichtig (wenn nicht noch wichtiger) zu wissen, wie man Kreativität ausleben kann, was die Veröffentlichung und Verbreitung eines Fotos vielleicht für Konsequenzen haben kann oder warum man besser zwei Nachrichten-Apps statt nur eine nutzt.