Dead Cells

Faszination, Frustration oder beides?

Spielt ein Spiel und verfasst einen Blogeintrag über eure Spielerfahrung. So lautet die Hausaufgabe, und so macht lernen Spaß. So gefällt mir Weiterbildung.

Verschiedene Fragen kommen mir in den Sinn. Wie sieht meine bisherige Spielerfahrung aus? Was für ein Spielertyp bin ich eigentlich? Welches Spiel könnte ich testen? … Meine Neugier, das Ausprobieren, Reflektieren und das Internet konnten mir auf einige dieser Fragen Antworten liefern.

Wie alles begann

Die ersten Erfahrungen mit Videospielen habe ich nicht zu Hause gesammelt – meine Eltern waren nicht unbedingt begeistert davon. Doch ich kannte genügend Gleichaltrige, die stolze Besitzer eines Nintendo NES, eines Sega Megadrive, eines Amiga 500 oder eines C64 waren. Irgendwann konnte ich mir mit meinem hartverdienten Taschengeld dann einen gebrauchten C64 mit zahlreichen Spielen und Zubehör kaufen.Nach einiger Zeit ist das Interesse an Videospielen wieder eingeschlafen und erst vor 7 oder 8 Jahren wieder aufgeflammt. Die Playstation 3 wurde angeschafft, dann die Playstation 4. Und nun warte ich auf die Playstation 5, die im Herbst oder Winter erscheint. Ich spiele gerne auf Konsole. Ich habe PC-Spiele getestet, aber es überzeugt mich nicht. Ich mag das Spielen vor dem Fernseher. Großes Bild, Controller in der Hand, Sound über die HiFi-Anlage.

Die Art der Spiele, mit denen ich am meisten Zeit verbracht habe oder verbringe würde ich in drei Gruppen unterteilen:

Bei dem Versuch die Spiele, die ich mag, in Genres einzuteilen ist mir aufgefallen, dass die Einteilung aufgrund der Fülle an Spielen, Stilen und Spielmechaniken und den zahlreichen Überschneidungen gar nicht einfach oder kategorisch möglich ist. Ähnliches gilt übrigens für die Überlegung, welcher Spielertyp ich bin. Je nach Definition und Quelle darf ich mich durchaus als Gamer oder aber als Gelegenheitsspieler bezeichnen. Auch hier scheinen die Grenzen fließend. Das wichtigste aber: Ich spiele gerne.  

Dead Cells

Für diesen Beitrag habe ich mir überlegt ein Spiel zu spielen, dass sich von den Stilen oder Genres, die ich sonst eher bevorzuge, unterscheidet. Bei der Suche bin ich auf „Dead Cells“ des französischen Entwicklerstudios Motion Twin gestoßen. Das Spiel erschien im August 2018 und ist mittlerweile auf verschiedenen Plattformen verfügbar (Playstation 4, Nintendo Switch, Xbox One, PC, iOS, Android). Zahlreiche Preise hat der Indie-Hit bereits gewonnen. Ich habe es auf der Playstation 4 gespielt – und spiele es immer noch.

Von Spiele-Genres war ja bereits kurz die Rede. Die Kategorien sind mittlerweile unendlich, und Dead Cells ist ein sogenanntes rogue-like Metroidvania-Spiel, ein Sub-Genre des Action-Adventures. Spiele dieser Art haben ähnliche Grafik und Spielmechaniken wie die Spiele Metroid und Castelvania. Die Level bilden sich sozusagen während dem Spiel, und was faszinierend (oder frustrierend?) ist: Man kann keinen Spielstand speichern. Ist man tot, fängt es wieder von vorne an.

Los geht’s – Und schon wieder tot!

„Aaah! F***, wo kamen die denn auf einmal alle her?! Ich bin dem doch ausgewichen! Der war aber schnell! Verdammt, jetzt geht’s schon wieder von vorne los!“ So ähnlich hat es in den letzten Tagen oft in meinem Wohnzimmer geklungen. Es ist lange her, dass ein Spiel mich so an die Konsole und den Bildschirm gefesselt hat und die Zeit wie im Flug verstreichen ließ. Worum genau es geht ist anfangs nicht klar, es sei denn man hat vorher im Netz gespoilert, was ich aber so gut es ging vermieden habe.

Zu Beginn des Spiels wache ich als kleiner grüner Schleimklumpen -zumindest sieht es in der 2D-Grafik so aus- in einer Gefängniszelle auf und suche mir sofort eine Leiche als neuen Körper, der dann in einem Lichtschein zum Leben erwacht. In einem Zwischenraum, der aussieht wie ein Labor, hängen unzählige Glaskanister. Zu Beginn sind diese leer, im Laufe des Spiels werden dort die wenigen Errungenschaften, die ich im Spiel erhalte und behalten kann, angezeigt. Manche kann ich trotz Permadeath behalten. Die erste Waffe, die ich habe, ist das rostige Schwert. Im Laufe des Spiels kann ich eine zusätzliche Waffe erhalten (Wurffackeln, Pfanne, Nussknacker, der Bogen, der Multibogen, Eisgranaten, …) und die, die ich habe, verbessern.  Unterstützend kann ich zwei zusätzliche Gadgets erhalten, die mich im Kampf unterstützen. Die Bärenfallen halten Gegner fest, der Sehnenschlitzer fungiert als Selbstschussanlage, …

Ab dem Moment, in dem ich das Labor und die Waffenkammer verlasse, läuft die Zeit, und ich muss mir meinen Weg bahnen. Ich kann springen, mich abrollen, laufen, … Die Steuerung ist intuitiv, flüssig und genau. Es geht vorbei an verschiedenen Feinden. Bogenschützen, Zombies, rosafarbene Ratten, Schildträger … Im Laufe des Spiels und in den verschiedenen Leveln werden die Feinde stärker und besitzen zusätzliche Fertigkeiten wie neue Waffen oder mehr Gesundheit und sie werden unberechenbarer. So treffe ich auf Skorpione, Horror-Raupen mit explosiven Eiern auf dem Rücken, Krabben mit Schwertern…  

Unterwegs gibt es Goldhaufen, die ich zerschlagen kann und dadurch Goldmünzen erhalte. Goldmünzen können z.B.  bei Händlern genutzt werden, um Waffen oder Waffenverbesserungen zu erwerben. Weiter geht es durch das Gefängnis. Ich muss zur toxischen Kanalisation. Vereinzelte Truhen oder Glasbehälter, die ich unterwegs finde und mit einem Fußtritt öffne, enthalten Mutationen und Fähigkeiten, die meine Gesundheit erhöhen, meine Waffen verstärken oder sonst wie brauchbar sind. An gewissen Punkten gibt es Teleportationsportale, an denen ich mich zu einem anderen Portal im Level bewegen kann, wenn ich schon einmal dort war.

Wenn ich Feinde töte erhalte ich manchmal Gegenstände: Goldtaler, Diamanten, oder Erneuerung der Gesundheit. Als Spieler kann ich mir die Grafik des letzteren aussuchen: Baguette, Burger, Gemüse…  Wichtig ist, unterwegs so viele Körperzellen wie möglich zu sammeln, die entweder in den (toten) Feinden sind, oder aber in Geheimverstecken. Diese kann ich später nutzen um gewisse Gegenstände oder Mutationen freizuschalten (zusätzliche Heiltränke, Waffenverstärkung…).

Nach kurzer Zeit bin ich in der toxischen Kanalisation gelandet. Zwischen den Leveln gibt es sichere Orte, an denen ich die Körperzellen eintauschen und meine Gesundheit auffüllen kann. Schafft man ein Level in einer bestimmten Zeit, erhält man zusätzliche Diamanten oder Körperzellen. Wenn ich eine Mindestanzahl an Gegnern vernichte erhalte ich ebenfalls Belohnungen.  

Nach dem sicheren Ort geht es weiter in die toxische Kanalisation. Danach kommen die Gefängnisdächer, die schwarze Brücke. Hier gilt es den ersten Boss zu besiegen: Der Portier! Dies gelingt beim ersten Mal nicht, beim zweiten auch nicht… Und jedes Mal lande ich wieder ganz am Anfang, als kleiner grüner Klumpen in der Gefängniszelle. Langweilig wird es trotzdem nicht, denn obwohl die Levels immer die gleichen sind, sind die Wege und die Strukturen anders, lediglich das Optische und die Feinde sind die gleichen. Nachdem ich den ersten Boss auf der schwarzen Brücke besiegt habe, geht es mit einem Freudenschrei weiter ins Uferdorf. Hier muss man zusätzlich Schlüssel sammeln, um Türen und Portale öffnen zu können. Eine neue Herausforderung, denn bisher kam ich überall durch, ohne verschlossene Türen öffnen zu müssen. Hat man dies geschafft, gelangt man auf den Glockenturm. Es geht weiter nach oben und weiter nach oben…

Offensiv oder defensiv?

Im Laufe des Spiels überlege ich mir als Spieler also diverse Taktiken: Spiele ich auf Zeit? Auf Sicherheit? Auf Angriff? Welche Waffen nutze ich wo am besten? Wem gehe ich an welcher Stelle am besten aus dem Weg und wo greife ich am besten an? Nutze ich Verstärkungen und Mutationen, um meine Lebensenergie zu erhöhen oder um meine Waffen zu verbessern? Mit all diesen Fragen setze ich mich während des Spiels auseinander, ich lerne und übe wie ich am besten voran komme. Trotz Frustration („Schon wieder von vorne…!?“) sind Motivation und Ehrgeiz groß.

Fazit

Mein Fazit nach 38 Neustarts und vielen Stunden Spielzeit: „Wow!“. Die 2D-Retro-Grafik wirkt flüssig, genau und auf keinen Fall billig oder langweilig. Sie passt zum Spiel, zum Gameplay und der Geschichte. Die Sounds und die Musik runden das Gesamtbild ab. Es herrscht eine düstere, aber doch irgendwie bunte Atmosphäre. Alles stimmt. Obwohl ich nach jedem Tod von vorne beginnen muss, fesselt das Spiel. Dadurch, dass die Welten sich immer wieder neu generieren, wird es nicht langweilig. Ich lerne, entwickele meine Strategien und probiere aus. Es funktioniert nicht immer, wie ich es mir vorgestellt habe. Kein Problem, die Motivation ist groß etwas anderes auszuprobieren und von vorne zu starten. Kreativität hilft dabei. Herausforderung angenommen. Ich bin im Flow.

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