Meine Mediengeschichte

“Was machen die Kinder eigentlich die ganze Zeit mit dem Handy? Da haben die sich den ganzen Tag in der Schule gesehen und müssen schon wieder hunderte Nachrichten schreiben! Dass die auch immer so viele Fotos machen und verschicken müssen. Das Einzige was ihn interessiert ist dieses Computerspiel!”

Diese und andere Aussagen kommen wahrscheinlich vielen Eltern und Erwachsenen bekannt vor. Oft gibt es Kopfschütteln, Unverständnis und auch Konflikte, wenn es um die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen geht.

Eine Empfehlung, die ich Erwachsenen gerne gebe, ist sich mal zu überlegen, wie das denn in der eigenen Kindheit und Jugend so war. Warum? Sehr oft stellen wir Erwachsenen fest, dass wir in vielerlei Hinsicht -auch beim Medienverhalten- den Kindern sehr ähnlich waren und sind. Die Bedürfnisse, die befriedigt werden, sind die gleichen wie bei uns damals: Kommunikation, Kontakt zu Gleichgesinnten, sich ausprobieren, informiert sein wollen, abtauchen in andere Welten, Abenteuer erleben, Spaß haben, … Die technischen Möglichkeiten und andere Rahmenbedingungen haben sich natürlich gewandelt, aber die Motivation ist die gleiche.

Auch ich habe mal überlegt, wie das bei mir aussah. Mein erster Gedanke: LOAD “*”,8,1. Warum? Meine erste Erinnerung an den digitalen Bereich geht auf meinen ersten Computer, einen C64, zurück, und dieser Start-Befehl ist auch Geschichte.

Aber von Anfang an: Als Einstieg in die Welt der Medien haben Bücher gedient. Es wurden Pappbilderbücher angeschaut (und vermutlich in den Mund gesteckt), darauf folgten Bilderbücher, Mitmachbücher, Lesebücher (in Schreib- und Druckschrift), Geschichten, Sachbücher, Comics, Jugendbücher bis hin zu den „Erwachsenenbüchern“. Ich kann mich erinnern wie ich als Kind und Jugendlicher im Bett gelegen und gelesen habe, oft mit der Taschenlampe unter der Bettdecke. Auch in der Schule spielte das Lesen verständlicherweise eine wichtige Rolle. Leider hat die Lust am Lesen und damit das Eintauchen in fremde Welten, Geschichten und Fantasien im Teenager-Alter etwas nachgelassen. Glücklicherweise ist die Lust am Lesen aber wieder zurückgekommen und wurde schließlich zu meinem Beruf. Während mehreren Jahren habe ich dann als Buchhändler gearbeitet.

Musik war ebenfalls immer sehr wichtig. Im Gegensatz zu heute, wo Musik ständig und in Massen verfügbar ist, war das vor 25 Jahren noch anders. So gab es den kleinen lokalen Radiosender, „Radio Hermann – 101,7“, der ein jugendgerechtes Musikprogramm spielte. Bei zahlreichen Sendungen konnte man anrufen und sich ein Musikstück wünschen und Grüße versenden. Zuhause saß man dann gespannt am Radio, und sobald das gewünschte Lied gespielt wurde, drückte man die Record-Taste, um es auf Kassette aufzunehmen. Sehr frustrierend war es dann, wenn der Moderator zu sprechen begann, wenn das Lied noch lief. Dann gab es die CD’s. Es gab einen kleinen CD-Laden, der auf einer Größe von ca. 20 m² eine kleine, aber feine Auswahl hatte. Die Preise waren allerdings hoch. So kostete ein Album 1000 belgische Franken (umgerechnet 25 Euro), was so ungefähr das monatliche Taschengeld war. In der Mittagspause traf man sich bei Manni im CD-Laden, es war auch eine Art sozialer Treffpunkt.

Im Altern von 12 bis ca. 16 Jahren war das wichtigste der Kinobesuch mit Freunden. Alle ein bis zwei Wochen besuchte man mit der „Clique“ das Kino, um sich die neusten Streifen anzuschauen. Interessanter als die Filme waren allerdings die Freunde (und Freundinnen), mit denen vor dem Film, nach dem Film und während des Films geplaudert wurde. Es war ein gemeinsames Erleben, eine Möglichkeit Gleichaltrige zu treffen, Beziehungen zu pflegen.

Neben dem Kino war auch das Fernsehen eine Möglichkeit audiovisuelle Medien zu nutzen. Fernsehen war oft ein Familienereignis. So wurde z.B. samstags Abend (nach dem Baden) eine der „großen“ Shows gemeinsam geschaut: Wetten, dass…?, Verstehen Sie Spaß… Ein Highlight waren sicherlich die Kartoffelchips… Zudem kann ich mich daran erinnern, dass ich mit meinen Eltern einen Fernsehvertrag aufgestellt habe: was darf ich wann gucken und wie lange. Genau kann ich es nicht mehr sagen, aber ich denke, dass es zahlreiche Konflikte gegeben hat, und dieser Fernsehvertrag hat dann alles noch mal in geregelte Bahnen gelenkt.

Die ersten Videospiele habe ich beim Nachbarsjungen gespielt, der zu meiner Freude einen Super-Nintendo besaß. Im Laufe der Zeit hatten dann immer mehr Freunde Computer oder Spielkonsolen (Sega Megadrive, Amiga 500…). Irgendwann konnte ich dann meine Eltern überreden, dass ich mit meinem gesparten Geld einen gebrauchten C64 mit zahlreichen Spielen auf „floppy disk“ kaufen durfte. Im Laufe der Jahre hat sich mein Interesse an Videospielen aber wieder abgeflacht und ist erst vor ca. 7 – 8 Jahren wiedergekommen.

Zu meiner Teenager-Zeit gab es noch keine Handys oder Smartphones bzw. kein Jugendlicher besaß ein solches. Die beliebtesten Kommunikationsmittel waren das Festnetztelefon und das Schreiben und Verschicken von Briefen, wobei letzteres meist nur mit Freundinnen stattfand… Oft war es so, dass man von der Schule nach Hause kam, und das erste was man machte: man rief die Freunde an, die man meist schon den ganzen Tag in der Schule gesehen hatte. Ein kabelloses Telefon hatten wir nicht, zu diesem Zweck gab es eine Verlängerungsschnur, mit der man sich dann zurückziehen konnte und etwas Privatsphäre hatte. Sehr schnell wurde es dann auch exzessiv, d.h. die Telefonrechnungen schnellten in die Höhe, und so wurde dann ein Zeitkontingent eingerichtet damit die Kosten und der zeitliche Umfang im Rahmen blieben.

Das erste Handy kaufte ich mit 18 Jahren, als ich als Student in eine andere Stadt gezogen bin. Es war ein klobiges Motorola Handy. Man konnte telefonieren und SMS schreiben (wobei letzteres aus Kostengründen interessanter war). Mehr Funktionen gab es nicht. Die Nummer besitze ich heute noch.

Der erste „richtige“ Computer zog ebenfalls in unser Haus ein als ich 17 oder 18 Jahre alt war. Es war ein gebrauchter Apple. Spiele gab es meiner Erinnerung nach damals nicht viele für einen Apple-Rechner. Einen Internetzugang hatten wir nicht, Recherchen wurden in einer digitalen Brockhaus-Enzyklopädie gemacht. CD-Rom einlegen, installieren, suchen.

Das Fotografieren mit dem Handy, das Selfie-Machen oder das Knipsen mit der Digitalkamera war in meiner Jugend noch nicht verbreitet, verständlicherweise aus Mangel an technischen Möglichkeiten. Mit dem Aufkommen des Internet und der Digitalfotografie hat sich eine kleine Gruppe gebildet, die auf jeder Party, jedem Konzert und jedem Schützenfest Fotos geschossen und diese dann online gesetzt hat. Unter www.duckonline.be (Ausschnitte noch zu finden über archive.org) konnte man sich dann ab montags die Fotos der Veranstaltungen vom Wochenende anschauen.

Ungefähr in diesem Zeitraum war ich auch in diversen Internet-Foren aktiv. Chatprogramme dienten ebenfalls dazu mit Freunden und Bekannten in Kontakt zu sein: ICQ, MSN Messenger oder Skype. Nach dem sozialen Netzwerk studiVZ kam dann das Profil bei Facebook.

Ob das alles haargenau so war kann ich rückblickend gar nicht mehr sagen. In meiner Erinnerung ist es so festgehalten.

Und heute? „Neue Medien“ sind omnipräsent. Im privaten und beruflichen Bereich sind der Laptop, das Smartphone, das Tablet und die Spielkonsole zu alltäglichen Gegenständen und Kommunikationsmitteln geworden. Ich nutze weiterhin sehr viele Dienste, Apps, Spiele… oder probiere sie zumindest aus, um sie kennenzulernen und zu verstehen, worum es dabei geht und wo der Reiz daran liegen kann.

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